Vorbemerkung
An dieser Stelle möchten wir den Unternehmen, die an Investitions- und Konjunkturtest teilnehmen, danken. Ihre Mitarbeit ist es, welche uns die Forschung ermöglicht.
Konjunkturtest
Einleitung
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer wirtschaftlichen Lage. Ziel der Erhebung ist es, die aktuelle und bevorstehende Entwicklung der Konjunktur zu erfassen, und zwar mit einem deutlichen Zeitvorsprung gegenüber der amtlichen Statistik.
Geschichte
Konjunkturumfragen haben eine lange Tradition. In Österreich wird der WIFO-Konjunkturtest seit 1964 durchgeführt. Sein unmittelbares Vorbild - der deutsche Ifo-Konjunkturtest - blickt sogar auf eine noch längere Geschichte zurück: seit 1949 ist er fixer Bestandteil der deutschen Wirtschaftsforschung und bildet die Grundlage für den bekannten Ifo-Geschäftsklimaindex.
Seit 1996 nimmt das WIFO am "Joint Harmonised EU Programme of Business und Consumer Surveys" teil, welches den gesamten EU-Raum und die osteuropäischen Staaten umfasst. Um den Anforderungen des harmonisierten Programmes zu genügen musste einerseits die Frequenz der Befragung von vierteljährlichen auf monatliche Erhebungen massiv erhöht werden. Andererseits war die Ausweitung des WIFO-Konjunkturtests auf weitere Sektoren der Wirtschaft obligatorisch. Wurden ursprünglich nur Unternehmen der Sachgütererzeugung und des Bauwesens befragt, so wird nun auch ein erheblicher Teil des Dienstleistungssegments erhoben. Die monatliche Verbraucherbefragung, welche ebenfalls Teil des "harmonisierten Programms" ist, wird in Österreich von Fessel&GfK durchgeführt, die Befragung des Einzelhandels erbringt das Institut für Gewerbe und Handelsforschung im Auftrag des WIFO.
Das Befragungskonzept
Die eigentliche Idee des Konjunkturtest besteht darin, durch Fragen, die von den Unternehmen möglichst schnell und einfach zu beantworten sind, Indikatoren für die Entwicklung der Konjunktur zu erhalten. Um dies zu gewährleisten werden die Unternehmen gebeten, Fragen zur jüngsten Vergangenheit, zur aktuellen Lage und zur Entwicklung in den nächsten Monaten an Hand des dreistufigen Schemas gut (besser) - durchschnittlich (gleich) - schlecht (schlechter) zu beurteilen. Die Frage nach den Erwartungen zur zukünftigen Produktionstätigkeit lautet etwa:
Unsere Produktion wird in den nächsten 3 bis 4 Monaten ...
- steigen
- etwa gleich bleiben
- fallen
Im Zuge der Auswertung werden dann so genannte Salden ermittelt. Das heißt, vom Anteil der positiven Antworten auf eine Frage wird der Anteil der negativen Antworten abgezogen. Antworten also von 1000 Unternehmen der Sachgütererzeugung auf die - oben dargestellte - Frage zu ihren Produktionserwartungen 300 Unternehmen diese werden steigen, 500 gehen davon aus, dass die Produktionstätigkeit etwa gleich bleiben wird, und 200 glauben ihre Produktion werde fallen, so ergibt dies einen Saldo von +10% (30% - 20% = 10%). In der Praxis zeigen die so ermittelten Salden eine hohe Korrelation mit dem tatsächlichen Wachstumsraten des von Statistik Austria ermittelten Produktionsindex.
Beispiel: Auftragsbestände - Sachgütererzeugung gesamt
Bei der Interpretation der so ermittelten Ergebnisse sind natürlich spezifische Eigenheiten der jeweils zu Grunde liegenden Antwortmuster zu beachten. Diese können von Frage zu Frage deutlich variieren. So zeigt sich, dass der Saldo auf die Frage nach den aktuellen Auftragsbeständen im langjährigen Durchschnitt bei unter -20% liegt und auch in Phasen der Hochkonjunktur nur selten einen positiven Wert annimmt. Ein Saldo von -10% ist also bei der Frage nach den Auftragsbeständen ein "überdurchschnittlich positives" Ergebnis, dessen Interpretation wiederum davon abhängt, ob sich der Konjunkturzyklus in einer Auf- oder Abschwungphase befindet, also ob eine Verbesserung oder Verschlechterung gegenüber den Ergebnissen der Vormonate vorliegt.
Beispiel: Sachgütererzeugung gesamt - Saisonbereinigt, geglättet
Eine weitere Eigenheit stellen so genannte "Saisoneffekte" dar. Dabei handelt es sich um Muster in den Ergebnissen des Konjunkturtest, die in einem jährlichen Rhythmus auftreten. So gehen die Produktionserwartungen der Unternehmen jedes Jahr im Herbst zurück, um sich gegen Jahresende wieder zu erholen. Da es sich dabei nicht um konjunkturbedingte Schwankungen handelt, werden diese mittels Verfahren zur Saisonbereinigung "herausgerechnet". Wir verwenden für den WIFO-Konjunkturtest - wie auch die Europäische Kommission - "Dainties".
Beispiel: Produktionserwartungen - Sachgütererzeugung gesamt
Die Verwendung der Ergebnisse
Die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtest werden einerseits den teilnehmenden Unternehmen und anderen Interessenten zur Verfügung gestellt, um einer breiteren Öffentlichkeit Informationen zur aktuellen Stimmungslage in der Wirtschaft zu vermitteln. Daneben finden die Ergebnisse Verwendung in der ökonomischen Forschung, im Speziellen bei der Erstellung von Konjunkturprognosen.
Investitionstest
Einleitung
Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährlich stattfindende Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit. Auch hier ist das Hauptziel, über relevante ökonomische Daten zu verfügen, bevor diese von den statistischen Ämtern zur Verfügung gestellt werden können.
Geschichte
Wie auch den Konjunkturtest wird der WIFO-Investitionstest seit 1964 durchgeführt und ist seit 1996 Teil des "harmonisierten Programms" der EU. Der Investitionstest erfasst - in verschiedenen Varianten - die Unternehmen der Sachgütererzeugung, des Bauwesens, sowie Elektrizitätserzeuger und kommunale Versorgungseinrichtungen.
Das Befragungskonzept
Im Rahmen des WIFO-Investitionstests werden von den Unternehmen Umsätze, Investitionsvolumen, Marketing- und Forschungsaufwendungen für die letzten beiden Jahre, sowie die Umsatzziele und Investitionspläne für das laufende und das kommende Jahr erhoben. Diese werden dann auf Branchenebene hochgeschätzt und zeigen so vergangenes und antizipertes Investitionsverhalten der österreichischen Unternehmen. Daneben werden auch noch weitere Faktoren, wie zum Beispiel Cash-flow-Quote, Marktanteile und Investitionsmotive erfasst.
Die Verwendung der Ergebnisse
Zur Information der Öffentlichkeit über die zu erwartende Investitionstätigkeit der österreichischen Wirtschaft werden die Ergebnisse des WIFO-Investitionstests zwei Mal jährlich in den WIFO-Monatsberichten veröffentlicht und den teilnehmenden Unternehmen selbstverständlich kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Investitionstest ist aber auch für die mikroökonometrische Forschung von hohem Wert, da die erhobenen Daten ein recht umfassendes Bild der Unternehmen liefern.



