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Juli 2017: Wirtschaftsklima bleibt in der Eurozone unverändert und verbessert sich EU-weit

Nach dem merklichen Anstieg im Juni, der den ESI auf das höchste Level seit ca. 10 Jahren gehoben hatte, bewegt sich der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, im Juli in der Eurozone mit 111,2 Punkten (+0,1 Punkte) eher seitwärts und EU-weit mit 112,1 Punkten (+0,8 Punkte) nach oben.

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben.

Entwicklungen in der Eurozone

Das nahezu Gleichbleiben des ESI in der Eurozone resultiert aus einer Verbesserung der Vertrauensindikatoren in der Bauwirtschaft und im Dienstleistungsbereich, die durch eine leichte Verschlechterung im Einzelhandel und unter den Verbrauchern ausgeglichen wird, während der Vertrauensindikator der Sachgütererzeugung weitestgehend unverändert bleibt.

In den fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone steigt der ESI lediglich in Deutschland  (+0,6 Punkte) und zu einem geringerem Maß in den Niederlanden (+0,3 Punkte), während er in Italien (-0,6 Punkte),  in Frankreich (-0,7 Punkte) und in Spanien (-1,0 Punkte) sinkt.

Die flache Entwicklung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung (+0,0 Punkte) ist auf nahezu unveränderte Beurteilungen all seiner Komponenten zurückzuführen (der Einschätzung der Auftragsbestände, der Fertigwarenlager und der Produktionsaussichten). Die Beurteilung der Exportaufträge  und im Speziellen, der rezenten Produktionsentwicklung, dunkelt sich ein. Die beiden letztgenannten Fragen werden aber in die Berechnung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung nicht einbezogen.

Der Anstieg des Vertrauensindikators im Dienstleistungsbereich (+0,8 Punkte gegenüber Juli) ist auf positivere Beurteilungen der Nachfrageerwartungen zurückzuführen, während die Einschätzung der rezenten Geschäftslageentwicklung und der rezenten Nachfrageentwicklungen nahezu unverändert bleibt.

Der Indikator des Verbrauchervertrauens (-0,4 Punkte) gibt im Juli leicht nach. Diese Entwicklung spiegelt gesunkene Erwartungen der Haushalte in Bezug auf die Möglichkeit zur Ersparnisbildung und zur künftigen Entwicklung der Arbeitslosigkeit wider, die durch optimistischere Einschätzungen zur generellen wirtschaftlichen Entwicklung nur teilweise ausgeglichen werden. Die Einschätzung der künftigen Entwicklung der Finanzlage der Haushalte bleibt weitgehend unverändert.

Im Einzelhandel sinkt der Vertrauensindikator im Juli leicht (-0,4 Punkte). Ursache ist eine pessimistischere Einschätzung der künftigen Geschäftslage, der eine optimistischere Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage und eine unveränderte Beurteilung der Angemessenheit der Lagerbestände gegenüberstehen.

Der Vertrauensindikator des Bauwesens steigt erneut merklich (+1,8 Punkte gegenüber Juni). Hier kommen nach oben revidierte Beschäftigungspläne für die kommenden Monate sowie eine positivere Einschätzung der Auftragslage zum Tragen.

Der Vertrauensindikator der Finanzdienstleister, der nicht für die Ermittlung des ESI herangezogen wird, fällt im Juli um 6,1 Punkte, getrieben durch eine schlechtere Beurteilung all seiner Komponenten (der rezenten Nachfrage- und Geschäftslageentwicklung sowie der Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate).

Die Beschäftigungspläne werden in allen beobachteten Bereichen nach oben revidiert. Am stärksten im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel. Der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Verkaufspreise legt ebenso in allen betrachteten Bereichen zu, im Speziellen in der Bauwirtschaft und im Einzelhandel. Die Preiserwartungen der Verbraucher lassen im Juli nach.

EU-weite Entwicklungen

Der leichte Anstieg des ESI in der Gesamt-EU (+0,8 Punkte) gründet auf einem ausgeprägten Anstieg des ESI im Vereinigten Königreich (+3,9) und einem leichten Nachlassen des ESI in Polen (-0,5 Punkte), den beiden größten EU-Volkswirtschaften außerhalb der Eurozone. Auf sektoraler Ebene verlaufen die Entwicklungen im Juli in der Sachgütererzeugung, im Dienstleistungsbereich und unter den Verbrauchern, sowie in Bezug auf die Finanzdienstleistungen weitgehend im Einklang mit jenen in der Eurozone. Lediglich die gestiegenen Einschätzungen im Einzelhandel und die leicht nachgelassene Beurteilung in der Bauwirtschaft unterscheiden sich EU-weit von jenen in der Eurozone.

Die Beschäftigungspläne verlaufen gekennzeichnet durch eine Aufwärtsrevision in allen Bereichen EU-weit parallel zur Eurozone. Einzige Ausnahme bildet EU-weit die stabile Entwicklung in der Bauwirtschaft.

Die Preiserwartungen ziehen dagegen EU-weit lediglich in der Bauwirtschaft an, wohingegen sie in der Sachgütererzeugung, im Einzelhandel und im Dienstleistungsbereich nachlassen. Eine niedrigere Preiserwartung der Verbraucher in der Eurozone deckt sich mit den Entwicklungen auf EU-Level.

 

Ergebnisse der Quartalserhebung (Juli)

In der Eurozone liegt die hochgeschätzte Kapazitätsauslastung in der Sachgütererzeugung im Juli bei 83,2% und somit höher als im April (+0,6 %-Punkte). Der Anteil der Unternehmen, die ihre gegenwärtigen Produktionskapazitäten als „mehr als ausreichend“ einstufen (gemessen an der Auftragslage und der erwarteten Nachfrage), sinkt um 3,8 %-Punkte. Bezogen auf den Außenhandel steigen die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Exportaufträge deutlich (+4,0 Punkte). Die Einschätzung der Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU verbessert sich im Juli (+0,5 Punkte gegenüber April). Die Einschätzungen zur Entwicklung der Auftragseingänge in den letzten Monaten legen deutlich zu (+3,8 %-Punkte), während sich die Einschätzungen zur gesicherten Produktionsdauer im Vergleich zum April erhöht. Die EU-weiten Entwicklungen decken sich weitgehend mit jenen der Eurozone, mit Ausnahme der Beurteilung der Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU: diese sinken EU-weit aufgrund nachlassender Beurteilungen der Unternehmen im vereinigten Königreich, ebenso wie die Entwicklung der Auftragseingänge.

Im Dienstleistungssektor steigt die Kapazitätsauslastung in der Eurozone mit +0,8 Punkten gegenüber April auf 90,2% im Juli stärker an, als dies EU-weit der Fall ist (+0,5 %-Punkte auf 89,8%).