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Jänner 2019: Wirtschaftsklima sinkt merklich sowohl in der Eurozone als auch EU-weit

Im Jänner sinkt der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, in der Eurozone (-1,2 Punkte auf 106,2) und EU-weit (-1,4 Punkte auf 106,1).

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben.

Entwicklungen in der Eurozone

Die Verschlechterung in der Eurozone resultiert aus merklich niedrigeren Vertrauensindikatoren in der Sachgütererzeugung, im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel, während sie in der Bauwirtschaft und zu einem geringeren Grad auch unter den Verbrauchern, steigen.

In den fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone steigt der ESI lediglich in Frankreich (+0,5), während er in Deutschland (-0,8), in Italien (-1,3) und in den Niederlanden (-4,1) sinkt und in Spanien (+0.1) gleich bleibt.

Der Vertrauensindikator der Sachgütererzeugung sinkt deutlich (-1,8 Punkte). Dies ist auf eine pessimistischere Beurteilung all seiner Komponenten zurückzuführen (den Produktionsaussichten, den Auftragsbeständen und den Einschätzungen der Fertigwarenlager). Die Einschätzung der rezenten Produktionsentwicklung und die Beurteilung der Exportaufträge verschlechtert sich im Vergleich zum Vormonat ebenfalls. Die beiden letztgenannten Fragen werden allerdings in die Berechnung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung nicht einbezogen.

Im Dienstleistungsbereich sinkt der Vertrauensindikator ebenfalls deutlich (-1,2 Punkte gegenüber Dezember). Dies ist auf verschlechterte Einschätzungen in Bezug auf die rezente Geschäftslageentwicklung und die rezente Nachfrageentwicklung zurückzuführen, während die Einschätzungen zur Nachfrageerwartung unverändert bleiben.

Der Indikator des Verbrauchervertrauens steigt unmerklich (+0,4 Punkte) und reflektiert eine positivere Einschätzung der Haushalte in Bezug auf die rezente und zukünftige Entwicklung ihrer Finanzlage, während die Einschätzungen zur generellen wirtschaftlichen Entwicklung und der Intention für größere Anschaffungen nahezu gleich bleiben.

Im Einzelhandel sinkt der Vertrauensindikator im Jänner stark (-1,8 Punkte). Negativere Einschätzungen zur gegenwärtigen und künftigen Geschäftslage werden von geringfügig schlechteren Beurteilungen der Lagerbestände begleitet.

Der Vertrauensindikator des Bauwesens steigt (+0,9 Punkte gegenüber Jänner). Hier kommen nach oben korrigierte Beschäftigungspläne zum tragen, denen negativere Beurteilungen zur Auftragslage gegenüberstehen.

Der Vertrauensindikator der Finanzdienstleister, der nicht für die Ermittlung des ESI herangezogen wird, sinkt im Jänner deutlich (-3,1 Punkte) und reflektiert verschlechterte Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate und verschlechterte Beurteilungen der rezenten Geschäftslageentwicklung, während die Einschätzungen zur rezenten Nachfrageentwicklung nahezu unverändert bleibt.

Die Beschäftigungspläne ziehen in der Bauwirtschaft deutlich und - in geringerem Ausmaß - im Einzelhandel an, während sie im Dienstleistungsbereich etwas, und in der Sachgütererzeugung stärker, nachlassen.

Der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Verkaufspreise steigt im Jänner lediglich im Dienstleistungsbereich etwas an, während er im Einzelhandel, in der Bauwirtschaft und in der Sachgütererzeugung deutlicher, sinkt.

Die Preiserwartungen der Verbraucher lassen im Jänner nach.

EU-weite Entwicklungen

Die etwas stärker ausgeprägte Abwärts-Entwicklung des ESI in der EU (-1,4 Punkte) im Vergleich zur Eurozone ist hauptsächlich auf die Entwicklung des Vertrauensindikators in den größten EU-Volkswirtschaften außerhalb der Eurozone zurückzuführen: im Vereinigten Königreich sinkt der ESI (-1,7 Punkte), ebenso wie in Polen merklich (-3,6 Punkte).

Auf sektoraler Ebene verläuft die Abwärtsentwicklung EU-weit in der Sachgütererzeugung parallel zur Eurozone, während der Vertrauensindikator im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel EU-weit weniger stark sinkt als in der Eurozone. Im Gegensatz zur Eurozone bleibt die EU-weite Entwicklung in der Bauwirtschaft und unter den Verbrauchern relativ stabil, während der gesunkene Indikator unter den Finanzdienstleistern auch EU-weit zu verzeichnen ist.

Die Entwicklung der Beschäftigungspläne verläuft EU-weit in der Sachgütererzeugung und im Dienstleistungsbereich parallel zur Eurozone (wo sie gesunken sind). Im Gegensatz zur Eurozone sinken die Beschäftigungserwartungen dagegen EU-weit auch im Einzelhandel und in der Bauwirtschaft. Die Verkaufspreiserwartungen gestalten sich EU-weit für die Sachgütererzeugung und für die Bauwirtschaft gleich wie in der Eurozone (wo sie gesunken sind), wohingegen sie im Kontrast zur Eurozone EU-weit auch im Einzelhandel und im Dienstleistungsbereich sinken.

Ergebnisse der Quartalserhebung (Jänner)

In der Eurozone liegt die hoch geschätzte Kapazitätsauslastung in der Sachgütererzeugung im Jänner bei 83,6% und somit niedriger als im Oktober (-0,3 %-Punkte). Der Anteil der Unternehmen, die ihre gegenwärtigen Produktionskapazitäten als „mehr als ausreichend“ einstufen (gemessen an der Auftragslage und der erwarteten Nachfrage), steigt deutlich um 3,0 %-Punkte. Die Einschätzungen zur Entwicklung der Auftragseingänge in den letzten Monaten fallen stark, (-6,4 %-Punkte), während die gesicherte Produktionsdauer durch gegenwärtige Aufträge um 0,1 Monate zunimmt.

Bezogen auf den Außenhandel sinken die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Exportaufträge (-4,3 %-Punkte). Die Einschätzung der Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU sinkt im Jänner merklich (-3,4 %-Punkte gegenüber Oktober).

Die EU-weiten Entwicklungen decken sich weitgehend mit jenen der Eurozone. Die Kapazitätsauslastung in der Sachgütererzeugung liegt EU-weit im April bei 83,2% und somit 0,2 %-Punkte niedriger als im Oktober.

Im Dienstleistungssektor steigt die Kapazitätsauslastung in der Eurozone auf 90,7% (+0,6 %-Punkte) gegenüber Oktober und EU-weit leicht um +0,4 %-Punkte auf 90,0%.