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Juli 2019: Wirtschaftsklima sinkt leicht in der Eurozone und EU-weit

Im Juli sinkt der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, in der Eurozone (-0,6 Punkte auf 102,7) und EU-weit (-0,3 Punkte auf 102,0).

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben.

Entwicklungen in der Eurozone

Der Rückgang in der Eurozone resultiert aus niedrigeren Vertrauensindikatoren in der Sachgütererzeugung, im Dienstleistungsbereich, im Einzelhandel und in der Bauwirtschaft, während der Vertrauensindikator unter den Verbrauchern leicht steigt.

In den fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone steigt der ESI in den Niederlanden (+1,7 Punkte), in Italien (+1,4 Punkte) und in Spanien (+0,6 Punkte), während er in Deutschland
(-2,4 Punkte) merklich sinkt und in Frankreich (+0,0 Punkte) unverändert bleibt.

Der Vertrauensindikator der Sachgütererzeugung sinkt merklich (-1,8 Punkte) und fällt damit unter seinen langfristigen Durchschnitt. Dies ist auf pessimistischere Beurteilungen der Produktionsaussichten und der Auftragsbestände zurückzuführen. Demgegenüber verbessern sich die Einschätzungen zu den Fertigwarenlagern. Die Beurteilungen der rezenten Produktionsentwicklung und der Exportaufträge verschlechtern sich im Vergleich zum Vormonat ebenfalls stark. Die beiden letztgenannten Fragen werden allerdings in die Berechnung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung nicht einbezogen.

Im Dienstleistungsbereich sinkt der Vertrauensindikator leicht (-0,4 Punkte gegenüber Juni). Dies ist auf verschlechterte Einschätzungen in Bezug auf die Nachfrageerwartungen zurückzuführen, während die Beurteilung der rezenten Geschäftslageentwicklung und der rezenten Nachfrageentwicklung weitgehend unverändert bleibt.

Der Indikator des Verbrauchervertrauens steigt (+0,6 Punkte) und reflektiert eine positivere Einschätzung der Haushalte in Bezug auf die generelle wirtschaftliche Entwicklung und die rezente Entwicklung ihrer Finanzlage, während die Beurteilung der zukünftigen Entwicklung ihrer Finanzlage und die Intention für größere Anschaffungen stabil bleibt.

Im Einzelhandel sinkt der Vertrauensindikator im Juli (-0,8 Punkte) bedingt durch negativere Einschätzungen der gegenwärtigen und künftigen Geschäftslage, während sich die Beurteilungen der Lagerbestände verbessern.

Der Vertrauensindikator des Bauwesens sinkt deutlich (-2,6 Punkte gegenüber Juni). Hier kommen nach unten korrigierte Beschäftigungspläne und negativere Beurteilungen der Auftragslage zum Tragen.

Der Vertrauensindikator der Finanzdienstleister, der nicht für die Ermittlung des ESI herangezogen wird, fällt im Juli (-4,6 Punkte) und reflektiert eine starke Verschlechterung der Beurteilungen der Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate und der rezenten Geschäftslageentwicklung, während sich die Einschätzung der Nachfrageentwicklung verbessert.

Die Beschäftigungspläne lassen in der Sachgütererzeugung und in der Bauwirtschaft deutlich nach, während sie im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel gleichbleiben.

Die Einschätzungen der Verbraucher in Bezug auf die zukünftige Entwicklung der Arbeitslosigkeit verschlechtern sich. Der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Verkaufspreise sinkt im Juli in der Sachgütererzeugung und – in geringerem Ausmaß – im Dienstleistungsbereich, während er im Einzelhandel zunimmt und in der Bauwirtschaft gleichbleibt.

Die Preiserwartungen der Verbraucher lassen im Juli nach.

EU-weite Entwicklungen

Das Sinken des ESI in der EU (-0,3 Punkte) ist hauptsächlich auf die Entwicklung der Vertrauensindikatoren in den größten EU-Volkswirtschaften außerhalb der Eurozone zurückzuführen: im Vereinigten Königreich sinkt der ESI im April (-0,8 Punkte), während er in Polen ebenfalls sinkt (-0,8 Punkte).

Auf sektoraler Ebene verläuft die Entwicklung EU-weit weitgehend parallel zur Eurozone. In der Sachgütererzeugung sinkt der ESI deutlich, während er unter den Verbrauchern steigt. Der Rückgang des ESI in der Bauwirtschaft ist EU-weit schwächer ausgeprägt als in der Eurozone und weniger deutlich im Einzelhandel. Im Gegensatz zur Eurozone steigt der ESI im Dienstleistungsbereich. Der Rückgang des Indikators unter den Finanzdienstleistern verläuft EU-weit parallel zur Eurozone.

Die Beschäftigungspläne verlaufen in der Bauwirtschaft EU-weit parallel zur Eurozone, wo sie sinken. Im Gegensatz zur Eurozone verbessern sich die Beschäftigungserwartungen EU-weit im Einzelhandel stark und etwas schwächer in der Sachgütererzeugung und im Dienstleistungsbereich.

Die Preiserwartungen sinken parallel zur Eurozone EU-weit in der Sachgütererzeugung und im Dienstleistungsbereich, während sie im Gegensatz zur Eurozone im Einzelhandel unverändert bleiben und in der Bauwirtschaft stark nachlassen.

Ergebnisse der Quartalserhebung (Juli)

In der Eurozone liegt die hochgeschätzte Kapazitätsauslastung in der Sachgütererzeugung im Juli bei 81,9% und somit niedriger als im April (-0,9 %-Punkte). Der Anteil der Unternehmen, die ihre gegenwärtigen Produktionskapazitäten als „mehr als ausreichend“ einstufen (gemessen an der Auftragslage und der erwarteten Nachfrage), steigt deutlich um 3,7 %-Punkte. Die Einschätzungen zur Entwicklung der Auftragseingänge in den letzten Monaten sinken (-5,8 %-Punkte), und auch die gesicherte Produktionsdauer durch gegenwärtige Aufträge sinkt um 0,2 Monate (und liegt nun bei 4,2 Monaten).

Bezogen auf den Außenhandel bleiben die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Exportaufträge stabil (-0,1 %-Punkte). Die Einschätzung der Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU steigt im Juli leicht (+0,7 %-Punkte gegenüber April).

Die EU-weiten Entwicklungen decken sich weitgehend mit jenen der Eurozone. Die künftige Entwicklung der Exportaufträge verbessert sich, während sich die Einschätzung der Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU verschlechtert. Die Kapazitätsauslastung in der Sachgütererzeugung liegt EU-weit im Juli bei 81,6% und somit 0,1 %-Punkte niedriger als im April.

Im Dienstleistungssektor bleibt die Kapazitätsauslastung in der Eurozone nahezu stabil auf 90,5% (-0,1 %-Punkte gegenüber April) und bleibt EU-weit gleich (-0,1 %-Punkte auf 89,3%).