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August 2018: Leichte Abschwächung des Wirtschaftsklimas in der Eurozone, EU-weit keine Veränderung zum Vormonat

Im August sinkt der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, in der Eurozone leicht (um -0,5 Punkte auf 111,6), während er EU-weit stabil bleibt (bei 112,3 Punkten).

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben.

Entwicklungen in der Eurozone

Der Rückgang des Economic Sentiment Indicator (ESI) für die Eurozone resultiert aus einer deutlichen Verschlechterung des Vertrauensindikators der Verbraucher und einem etwas geringeren Rückgang im Dienstleistungssektor, der nur teilweise durch Zuwächse im Einzelhandel und im Bausektor ausgeglichen wird. In der Sachgütererzeugung bleibt der Vertrauensindikator weitgehend stabil. Unter den größten Volkswirtschaften des Euroraums bleibt der ESI in Deutschland nahezu unverändert (-0,1 Punkte), während er in Frankreich (-1,3 Punkte), Italien (-0,8 Punkte), Spanien (-0,7 Punkte) und den Niederlanden (- 0,5 Punkte) zurückgeht.

Die weitgehend stabile Entwicklung des Vertrauensindikators der Industrie (-0,3 Punkte) spiegelt die optimistischeren Produktionserwartungen der Unternehmen wider, die die Verschlechterung der Einschätzung des aktuellen Auftragsbestands und der Lagerbestände nahezu ausgleichen können. Von den Fragen, die nicht im Vertrauensindikator enthalten sind, verschlechtern sich die Einschätzungen sowohl zu den Exportaufträgen als auch insbesondere zur Produktionsentwicklung über die letzten drei Monate. Die leichte Verschlechterung des Vertrauensindikators im Dienstleistungsbereich (-0,6 Punkte) resultiert aus den deutlich geringeren Nachfrageerwartungen der Unternehmen und einer etwas schlechteren Einschätzung der Geschäftslageentwicklung über die vergangenen Monate, die nur teilweise durch eine verbesserte Einschätzung der Nachfrageentwicklung über die letzten Monate kompensiert wird. Der deutliche Rückgang des Verbrauchervertrauens (-1,4 Punkte) ist vor allem auf eine Verschlechterung der Einschätzung der künftigen Arbeitslosigkeit durch die Verbraucher zurückzuführen, während die Einschätzungen der Verbraucher zu ihrer künftigen Finanzlage, zur künftigen allgemeine Wirtschaftslage und ihre Sparerwartungen weitgehend stabil bleiben. Der deutliche Anstieg des Vertrauensindikators im Einzelhandel (+1,4 Punkte) wird durch eine positivere Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und der Angemessenheit der Lagerbestände getrieben, während die Einschätzung der Unternehmen zur künftigen Geschäftslage gegenüber dem Vormonat nahezu unverändert blieb. Im Baugewerbe resultiert der deutliche Anstieg des Vertrauensindikators (+1,0 Punkte) aus optimistischeren Beschäftigungspläne und einer besseren Beurteilung des Auftragsbestands. Der leichte Rückgang (-0,5 Punkte) des Vertrauensindikators im Bereich der Finanzdienstleistungen (nicht im ESI enthalten) resultiert aus deutlich schlechteren Beurteilungen der Nachfrage- und Geschäftslageentwicklung über die vergangenen Monate, die durch eine starke Verbesserung der Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate nicht vollständig ausgeglichen werden.

Die Beschäftigungspläne des Dienstleistungssektors und des Baugewerbes verbessern sich im August deutlich, während sie sich in der Sachgütererzeugung und vor allem im Einzelhandel leicht verschlechtern. Die Verkaufspreiserwartungen steigen in der Sachgütererzeugung, im Handel und im Baugewesen, während sie im Dienstleistungsbereich praktisch unverändert bleiben. Auch die Preiserwartungen der Verbraucher bleiben im August weitgehend stabil.

EU-weite Entwicklungen

Die Stabilisierung des Economic Sentiment Indicator (ESI) in der EU (+0,0 Punkte) resultiert aus der deutlichen Verbesserung des Wirtschaftsklimas in der größten EU-Volkswirtschaft außerhalb der Eurozone – dem Vereinigten Königreich (+1,5 Punkte) – während der ESI in Polen (-1,3 Punkte) deutlich zurückging. Die Veränderungen auf Sektorebene entsprechen denen des Euroraums, wobei die Rückgänge im Dienstleistungssektor und bei den Verbrauchern etwas weniger ausgeprägt sind. Die Verbesserung im Einzelhandel fällt dagegen stärker aus. Der Vertrauensindikator des Finanzdienstleistungssektors sinkt auch EU-weit im Einklang mit dem Euroraum, der Rückgang ist jedoch stärker.

Wie im Euroraum melden die Unternehmen des Dienstleistungssektors und des Bauwesens auch für die EU insgesamt einen starken Anstieg ihrer Beschäftigungspläne, während sich die Beschäftigungspläne in der Sachgütererzeugung leicht verschlechtern. Im Gegensatz zum Euroraum verbessern sich EU-weit die Beschäftigungspläne auch im Einzelhandel. Die Verkaufspreiserwartungen steigen in der Sachgütererzeugung und im Einzelhandel im Einklang mit der Eurozone. Anders als im Euroraum gehen die Bauunternehmen EU-weit jedoch von einer stabilen Preisentwicklung in den kommenden Monaten aus, während die Dienstleistungsunternehmen einen leichten Rückgang erwarten. Die Preiserwartungen der Verbraucher in der EU sind deutlich gestiegen.