Europa > Europaweite Konjunkturtest-Indikatoren

Europa

November 2018: Wirtschaftsklima bleibt in der Eurozone weitgehend stabil und sinkt EU-weit

Im November bleibt der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, in der Eurozone weitgehend stabil (-0,2 Punkte auf 109,5) und sinkt EU-weit (-0,8 Punkte auf 109,6).

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben.

Entwicklungen in der Eurozone

Die Stabilität in der Eurozone resultiert aus einem merklich niedrigeren Vertrauensindikator unter den Verbrauchern und gleichbleibenden (Dienstleistungsbereich und Bauwirtschaft) oder steigenden Vertrauensindikatoren (Sachgütererzeugung, Einzelhandel) in den einzelnen Wirtschaftsbereichen.

In den fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone bleibt der ESI in Frankreich (+0,2), in Spanien (-0,3) und in den Niederlanden (+0,1) stabil, während er in Deutschland (+0,6) steigt und in Italien (-1,2) zurück geht.

Der Vertrauensindikator der Sachgütererzeugung steigt leicht (+0,4 Punkte). Dies ist auf eine optimistischere Beurteilung der Produktionsaussichten und der Auftragsbestände zurückzuführen, denen leicht verschlechterte Einschätzungen der Fertigwarenlager gegenüberstehen. Die Einschätzung der rezenten Produktionsentwicklung verbessert sich stark, die Beurteilung der Exportaufträge verschlechtert sich im Vergleich zum Vormonat. Die beiden letztgenannten Fragen werden allerdings in die Berechnung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung nicht einbezogen.

Im Dienstleistungsbereich bleibt der Vertrauensindikator unverändert (+0,0 Punkte gegenüber Oktober). Dies ist auf eine optimistischere Einschätzung der rezenten Nachfrageentwicklung zurückzuführen, die durch eine pessimistischere Beurteilung der Nachfrageerwartung und der rezenten Geschäftslageentwicklung ausgeglichen wird.

Der Indikator des Verbrauchervertrauens sinkt deutlich (-1,2 Punkte) und reflektiert eine schwächere Entwicklung all seiner Komponenten (der Einschätzungen der Haushalte in Bezug auf die generelle wirtschaftliche Entwicklung, der Möglichkeit der Ersparnisbildung, der künftigen Entwicklung ihrer Finanzlage sowie den Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung der Arbeitslosigkeit).

Im Einzelhandel bleibt der Vertrauensindikator im November weitgehend stabil (+0,2 Punkte). Positivere Einschätzungen zur gegenwärtigen und künftigen Geschäftslage werden von negativeren Einschätzungen der Lagerbestände begleitet.

Der Vertrauensindikator des Bauwesens bleibt unverändert (+0,0 Punkte gegenüber Oktober). Hier kommen stark nach oben korrigierte Beschäftigungspläne sowie stark gesunkene Beurteilungen zur Auftragslage zum Tragen.

Der Vertrauensindikator der Finanzdienstleister, der nicht für die Ermittlung des ESI herangezogen wird, sinkt im November deutlich und reflektiert verschlechterte Einschätzungen all seiner Komponenten (Nachfrageentwicklung und Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate, sowie die Beurteilung der rezenten Geschäftslageentwicklung).

Die Beschäftigungspläne ziehen in der Bauwirtschaft und (in geringerem Ausmaß) im Einzelhandel an, während sie im Dienstleistungsbereich nachlassen und in der Sachgütererzeugung nahezu gleichbleiben.

Der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Verkaufspreise steigt in der Sachgütererzeugung und im Dienstleistungsbereich, während er im Einzelhandel nachgibt und in der Bauwirtschaft im November nahezu gleichbleibt.

Die Preiserwartungen der Verbraucher lassen im November leicht nach und unterbrechen somit den Aufwärtstrend der letzten 5 Monate.

EU-weite Entwicklungen

Die schlechtere Entwicklung des ESI in der EU (-0,8 Punkte) im Vergleich zur Eurozone ist hauptsächlich auf die Entwicklung des Vertrauensindikators in der größten EU-Volkswirtschaft außerhalb der Eurozone zurückzuführen: im Vereinigten Königreich fällt der ESI stark (-3,1 Punkte). Im Gegenzug dazu steigt der ESI in Polen stark (+2,2 Punkte).

Auf sektoraler Ebene verläuft die Aufwärtsentwicklung EU-weit in der Sachgütererzeugung im Einklang zur Eurozone. Im Gegensatz zur Eurozone verbessert sich der Vertrauensindikator dagegen EU-weit in der Bauwirtschaft, während er im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel nachgibt. Unter den Verbrauchern ist das Sinken des ESI EU-weit schwächer ausgeprägt als in der Eurozone. Die Verkaufspreiserwartungen gestalten sich EU-weit deutlich positiver als in der Eurozone.

Ergebnisse der Investitionsumfrage in der Sachgütererzeugung

 Laut der im Oktober / November dieses Jahres durchgeführten halbjährlichen Investitionsumfrage erwarten die Unternehmen in der Sachgütererzeugung der Eurozone für das laufende Jahr einen Anstieg der Investitionen um real 5% gegenüber dem Vorjahr. Im Frühjahr gingen sie noch von einem Investitionsanstieg um 7% aus. Für 2019 rechnen die Unternehmen mit einem weiteren Investitionswachstum von 5% im Vergleich zu heuer.

In der Gesamt-EU rechneten die Unternehmen in der Frühjahrserhebung für das laufende Jahr noch mit einem realen Investitionswachstum von 6%. In der aktuellen Umfrage von Herbst ist dieser Wert um 2% Punkte gesunken. Für 2019 rechnen die Unternehmen mit einem Investitionszuwachs von 4% gegenüber heuer.