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März 2020: Wirtschaftsklima verschlechtert sich dramatisch in der Eurozone und EU-weit

Wichtiger Hinweis: Im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Corona-Virus sind die in dieser Pressemitteilung veröffentlichten Daten möglicherweise weniger genau und länderübergreifend weniger vergleichbar als üblich. Während die Antworten auf die Befragung im Prinzip zwischen dem 26. Februar und dem 23. März gesammelt wurden, gibt es zwischen den Ländern erhebliche Unterschiede, da die Feldarbeit aufgrund der zur Bekämpfung der Verbreitung des Virus ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen effektiv zum Stillstand gekommen ist. In vielen Ländern wurde die überwiegende Mehrheit der Antworten gesammelt, bevor strenge Eindämmungsmaßnahmen ergriffen wurden.

Im März fällt der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, sowohl in der Eurozone (-8,9 Punkte auf 94,5 Punkte) als auch EU-weit (-8,2 Punkte auf 94,8 Punkte).

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben.

Entwicklungen in der Eurozone

Der stärkste Rückgang des ESI seit Beginn der Aufzeichnungen (1985) in der Eurozone resultiert aus einem Einbruch des Vertrauensindikators unter den Verbrauchern und in allen Wirtschaftsbereichen. Dieser Einbruch zeigt sich verstärkt im Einzelhandel und im Dienstleistungsbereich.

Unter den größten Volkswirtschaften der Eurozone sinkt der ESI dramatisch in Italien (-17,6 Punkte) und in Deutschland (-9,8 Punkte) und signifikant in Frankreich (-4,9 Punkte), den Niederlanden (-4,0 Punkte) und in Spanien (-3,4 Punkte). In vielen dieser Länder wurde die Mehrheit der Antworten vor der Durchsetzung strikter Eindämmungsmaßnahmen des Corona-Virus getroffen. Details dazu befinden sich am Ende dieses Textes.

Der Vertrauensindikator der Sachgütererzeugung sinkt merklich (-4,6 Punkte). Dies ist auf einen starken Rückgang der Produktionsaussichten zurückzuführen. Die Beurteilung der Auftragsbestände verschlechtert sich ebenso wie die Einschätzung der Fertigwarenlager. Die Einschätzung der Fertigwarenlager würde unter normalen Bedingungen das Ausmaß des Rückgangs des Indikators der Sachgütererzeugung mildern und als Signal für eine steigende Nachfrage gewertet werden. Unter den gegebenen Umständen wird dies als negatives Angebotssignal interpretiert. Die Einschätzung der Exportaufträge und die Beurteilungen der rezenten Produktionsentwicklung verschlechtern sich im Vergleich zum Vormonat ebenfalls. Die beiden letztgenannten Fragen werden allerdings in die Berechnung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung nicht einbezogen.

Im Dienstleistungsbereich schnellt der Vertrauensindikator nach unten (-13,3 Punkte gegenüber Februar). Dies ist auf verschlechterte Einschätzungen der Nachfrageerwartungen zurückzuführen. Auch die Einschätzungen der rezenten Geschäftslageentwicklung und die Beurteilung der rezenten Nachfrageentwicklung verschlechtern sich deutlich.

Der Indikator des Verbrauchervertrauens verschlechtert sich sprunghaft (-5,0 Punkte) und reflektiert pessimistischere Erwartungen der Haushalte in Bezug auf die generelle wirtschaftliche Entwicklung, die von leicht verschlechterten Einschätzungen in Bezug auf die rezente und künftige Entwicklung ihrer Finanzlage, sowie der Vorhaben für größere Anschaffungen begleitet werden. Dies stellt den stärksten gemessenen Rückgang des Vertrauensindikators der Verbraucher dar.

Im Einzelhandel stürzt der Vertrauensindikator im März ebenso ab (-8,1 Punkte) bedingt durch schlechtere Beurteilungen der erwarteten Geschäftslage. Auch die Einschätzungen zur gegenwärtigen Geschäftslage und der Beurteilung der Lagerbestände verschlechtern sich.

Der Vertrauensindikator der Bauwirtschaft sinkt vergleichsweise verhalten (-2,7 Punkte gegenüber Februar). Hier kommen pessimistischere Beschäftigungspläne zum Tragen, die von verminderten Beurteilungen der Auftragslage begleitet werden.

Der Vertrauensindikator der Finanzdienstleister, der nicht für die Ermittlung des ESI herangezogen wird, rutscht im März stark ab (-15,0 Punkte) und reflektiert vor allem eine Verschlechterung der Beurteilungen der Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate. Die Beurteilungen der rezenten Geschäftslageentwicklung sowie der Nachfrageentwicklung verschlechtern sich ebenfalls.

Der im Februar 2020 erstmals veröffentlichte Vertrauensindikator der Beschäftigungserwartungen (EEI) stürzt ebenfalls ab (-10,9 Punkte). Dies ist bedingt durch negativere Beschäftigungserwartungen in allen Wirtschaftsbereichen, vor allem jedoch im Einzelhandel und im Dienstleistungsbereich. Die Erwartungen zur Arbeitslosigkeit unter den Verbrauchern, die nicht in die Berechnung des EEI miteinbezogen werden, fallen ebenfalls.

Der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Verkaufspreise lässt im März in allen beobachteten Bereichen stark nach. Auch bei diesem Indikator ist dies verstärkt im Einzelhandel und im Bereich der Dienstleistungen beobachtbar.

Zeitraum der Datenerhebung: 26. Februar bis 23. März. Beachten Sie, dass die meisten Antworten gesammelt wurden, bevor in einzelnen Ländern bedeutende Eindämmungsmaßnahmen gegen COVID-19 ergriffen wurden. Der Anteil variiert zwischen 50-70% in BE, CY, CZ, und MT, 71-85% in DE, DK,EL,ES, HU, IT und LT, 86-95% in AT, BG, EE, FI, NL, PT, SK und SE, und mehr als 95% in FR, HR,IE,PL und RO. Keine Information für LU, LV und SI.