WIFO - EU Konjunkturumfrage August 2010
(nächstes Ergebnis Ende September 2010)
Optimismus hält an
Sachgütererzeugung
Die Konjunktur in der Sachgütererzeugung entwickelt sich im August unverändert günstig. Die Beurteilung der Geschäftslage in sechs Monaten und die Produktionserwartungen sind weiterhin überdurchschnittlich, haben sich jedoch seit März kaum mehr verbessert. Dies lässt vermuten, dass der Aufschwung unvermindert anhält, sich aber nicht weiter beschleunigt. Insgesamt liegt die Beurteilung der Geschäftslage in sechs Monaten auf dem Niveau der Spitzenjahre 2006 und 2007. Die Produktionserwartungen sind allerdings noch deutlich davon entfernt. Die optimistischen Konjunkturerwartungen schlagen sich seit April auch in einer deutlichen Erholung der Auftragsbestände nieder. Etwa zwei Drittel der Unternehmen verfügen zurzeit über ausreichende oder sogar mehr als ausreichende Auftragsbestände. Dies entspricht dem langfristigen Durchschnitt. Auch die Beurteilung der Auslandsaufträge liegt wieder im Bereich des langfristigen Durchschnitts. Die Beurteilung der Produktion in den letzten Monaten entwickelt sich seit Mai unverändert günstig: 40% der befragten Unternehmen geben an, in den vergangenen drei Monaten ihre Produktion gesteigert zu haben, lediglich 10% der Firmen mussten im letzten Quartal Produktionseinbußen hinnehmen.
Bauwesen
Die konjunkturelle Entwicklung im Bausektor bleibt weiterhin verhalten. Der Indikator zu Auftragsbeständen zeigt seit Mitte 2009 zwar einen mäßigen Aufwärtstrend und hat mittlerweile fast den langfristigen Durchschnitt der letzten 5 Jahre erreicht, die Beurteilung der Bautätigkeit stagniert jedoch seit Ende 2009 auf leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Per Saldo gehen die Unternehmen von sinkenden Baupreisen aus und rechnen in stärkerem Ausmaß als für diese Jahreszeit üblich mit einem Abbau von Beschäftigten. Die Belebung der Auftragsbestände hat sich also nicht in steigenden Mitarbeiterzahlen niedergeschlagen.
Unternehmensnahe Dienstleistungen
Im Bereich der Unternehmensdienstleistungen haben sich die Erwartungen zu Nachfrage und Geschäftslage seit letztem Herbst spürbar verbessert. In der jüngsten Umfrage konnten die Erwartungen neuerlich zulegen, nachdem sie in den letzten Monaten auf hohem Niveau stagnierten. Drei Viertel der Unternehmen betrachten ihre Auftragslage als ausreichend oder mehr als ausreichend. Damit sind die Dienstleistungsunternehmen in höherem Ausmaß mit ihrer Auftragssituation zufrieden als die Unternehmen der Sachgütererzeugung sowie der Bauwirtschaft. Die Auftragslage ist seit Mitte 2009 ebenfalls stark aufwärts gerichtet. Im langfristigen Vergleich zeigt sich aber, dass die Auftragsbestände dennoch unterdurchschnittlich ausfallen und hier noch großes Potenzial für Steigerungen besteht. Die Beschäftigungserwartungen konnten – nach einer Stagnation im Frühjahr – seit Mai wird leicht zulegen, befinden sich aber im langfristigen Vergleich noch immer unter dem Durchschnitt der letzten Jahre.
Vorprodukte
Die Erwartungen zu Produktion und Nachfrage sind weiterhin sehr positiv und liegen auf überdurchschnittlichem Niveau, haben aber zuletzt nicht weiter zugelegt. Die Auftragslage ist anhaltend aufwärts gerichtet und liegt nunmehr bereits auf der Ebene des langfristigen Durchschnitts. Zudem berichten die Hersteller von Vorprodukten weiterhin in hohem Umfang von Produktionsausweitungen in den vergangenen Monaten. Des weiteren sind die Lagerbestände sehr stark abgebaut worden.
Kraftwagen und Kraftwagenteile
Die Erwartungen zu Produktion und Geschäftslage haben sich zuletzt nicht weiter verbessert und befinden sich derzeit auf durchschnittlichem Niveau. Die Beurteilung der Auftragsbestände ist unverändert stark aufwärts gerichtet und hat beinahe schon den langfristigen Durchschnitt erreicht. Auch die Bestellungen aus dem Ausland haben sich kräftig belebt, wenn auch die Entwicklung etwas hinter den Auftragsbeständen insgesamt zurückbleibt.
Investitionsgüter
Auch im Investitionsgütersektor schreitet die konjunkturelle Erholung voran, wobei die Erwartungen zu Produktion und Geschäftslage zuletzt aber nicht weiter zugelegt haben. Die Auftragsbücher füllen sich ebenfalls zusehends, wobei das durchschnittliche Niveau vergangener Jahre noch nicht erreicht wurde. Auch die stark rückläufigen Lagerbestände zeigen, dass es mit der Konjunktur aufwärts geht.
Langlebige Konsumgüter
Die Produktionserwartungen für die kommenden Monate sind wieder aufwärts gerichtet, nachdem sie sich im Frühjahr leicht abgekühlt hatten. Auch die Beurteilung der Geschäftslage in den kommenden Monaten zeigt einen generellen Aufwärtstrend, wobei sie aber zuletzt kaum mehr zugelegt hat. Die Auftragssituation entspannt sich zusehends, wobei die Entwicklung aber schwächer ist als bei den Investitionsgütern oder Vorprodukten. Die Produktionstätigkeit hat sich in diesem Bereich ebenfalls gut entwickelt.
Nahrungs- und Genussmittel
In diesem Sektor ist die Beurteilung der Geschäftslage in den nächsten Monaten weiterhin positiv ausgerichtet. Die Produktionserwartungen haben ebenfalls zugelegt, wenn auch nur mit mäßiger Dynamik. Die Auftragsbestände entwickeln sich relativ verhalten und liegen noch unter dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings sind die Einschätzungen der Auftragslage im Bereich Nahrungs- und Genussmittel recht schwankend, sodass sich erst in den nächsten Monaten zeigen wird, ob mit einer nachhaltigen Verbesserung zu rechnen ist.
Kurzlebige Konsumgüter
Die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten Monate fallen optimistisch aus, wenngleich sie zuletzt nicht weiter zugelegt haben. Auch die Auftragsbücher haben sich gut gefüllt. Die Hersteller kurzlebiger Konsumgüter melden zudem eine zuletzt in deutlichem Umfang gestiegene Produktions-tätigkeit sowie eine höhere Auslastung der Kapazitäten. Auch die Lagerbestände sind weiterhin stark rückläufig und haben den tiefsten Stand seit Jahren erreicht.
Hochbau
Die Beurteilung der Auftragslage konnte zuletzt nicht weiter zulegen und verharrt auf unterdurchschnittlichem Niveau. Auch die Bautätigkeit im Hochbau hat sich in den letzten Monaten nur schleppend entwickelt. In den kommenden Monaten erwarten die Unternehmen stagnierende bzw. sogar in geringem Umfang sinkende Baupreise und eine rückläufige Beschäftigung. Dies deutet auf eine fortgesetzt schwache Konjunktur im Hochbau hin.
Tiefbau
Schwierig einzuschätzen ist die konjunkturelle Lage und Entwicklung im Tiefbau. Die Auftragsbestände haben sich seit im Mai deutlich belebt, wobei der Rückgang in der aktuellen Umfrage aufgrund einer geringen Anzahl von Meldungen vorsichtig zu interpretieren ist. Die Entwicklung der Bautätigkeit ist aber unverändert schwach. Zudem rechnen die Unternehmen mit sinkenden Baupreisen in den kommenden Monaten und gehen gleichzeitig von sinkender Beschäftigung aus.
Vermietung beweglicher Sachen
Die Nachfrageerwartungen haben sich nach der kräftigen Steigerung im letzten Herbst zuletzt nicht weiter verbessert und stagnieren um den langfristigen Mittelwert. Ähnliches gilt für die Beurteilung der zukünftigen Geschäftslage. Auch die Beurteilung der Auftragsbestände ist insgesamt durchschnittlich, ist aber in den letzten Monaten von einer starken Volatilität geprägt. Die Nachfrage und Beschäftigung haben sich im Verlauf der letzten Monate sehr gut entwickelt und auch die Erwartungen bezüglich der Mitarbeiterzahlen fallen günstig aus.
Datenverarbeitung und Datenbanken (Software)
Die Beurteilung der Auftragslage zeigt seit Frühjahr 2009 eine steile Aufwärtsbewegung und liegt mittlerweile auf dem Niveau der Jahre 2007 und 2008. In den Erwartungen für die kommenden Monate überwiegen weiterhin spürbar die optimistischen gegenüber den pessimistischen Stimmen. Dennoch stagniert dieser Überhang seit Beginn des Jahres. Die EDV-Firmen rechnen also nicht mit einer weiteren Beschleunigung der Konjunktur, auch wenn sich die Nachfrage nach EDV-Dienstleistungen sich seit letztem Herbst äußerst schwungvoll entwickelt hat und mittlerweile weit über dem branchenüblichen Durchschnitt liegt.
Forschung und Entwicklung
Erwartungen zu Nachfrage und Geschäftslage zeigen eine ganz leichte Aufwärtstendenz, wobei die Dynamik aber deutlich schwächer ausfällt als in anderen Dienstleistungssektoren. Die Auftragsbestände haben sich seit Herbst 2009 ebenfalls belebt, werden allerdings immer noch deutlich schlechter beurteilt als im Mittel der vergangenen Jahre.
Dienstleistungen für Unternehmen
Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben weiterhin zuversichtlich, scheinen aber vorerst ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Die Unternehmen rechnen also mit keiner Beschleunigung der Konjunktur in den nächsten Monaten. Die positiven Nachfrageerwartungen zeigen sich auch in anhaltend steigenden Auftragsbeständen, wobei diese jedoch noch deutlich unter dem branchenüblichen Niveau liegen. Die Nachfrage und Beschäftigung haben deutlich zugelegt und befinden sich mittlerweile auf dem branchenüblichen Durchschnitt.
Entsorgungsunternehmen
Die Auftragslage wurde zuletzt wieder schlechter beurteilt, nachdem sie sich seit vergangenem Herbst deutlich gebessert hatte. Weiterhin optimistisch sind die Unternehmen hinsichtlich ihrer Nachfrage in den nächsten Monaten und insbesondere bezüglich der weiteren Entwicklung ihrer Geschäftslage. Die Steigerung der Nachfrage nach Entsorgungsleistungen ist vorerst gestoppt – allerdings ist der langfristige Durchschnitt bereits überschritten.
Transport
Die Auftragslage hat sich zwar gegenüber dem Tiefststand im Frühjahr des letzten Jahres deutlich verbessert, konnte aber seit Mai nicht weiter zulegen und pendelt derzeit um den langfristigen Durchschnitt. Die Nachfrage der vergangenen Monate wird von den Unternehmen weiterhin sehr positiv beschrieben. Die Erwartungen zu Nachfrage und Geschäftslage sind weiterhin günstig, auch wenn sie seit dem Frühjahr nicht weiter zulegt haben.
Reisebüros
Die Auftragsbestände zeigen einen anhaltenden Aufwärtstrend und haben mittlerweile wieder den langfristigen Durchschnitt erreicht. Die Reisebüros melden eine in den letzen Monaten stark gestiegene Nachfrage und die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich Nachfrage und Geschäftslage sind relativ optimistisch. Bei den Erwartungsindikatoren scheint aber der Höhepunkt erreicht oder bereits überschritten zu sein.
Gastronomie, Hotellerie
Die Hotellerie- und Gastronomiebetriebe melden weiterhin eine in den letzten Monaten gestiegene Nachfrage. Die Auftragslage pendelt dagegen weiter um den branchenüblichen Durchschnitt. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind ebenfalls optimistisch, wobei sie zuletzt aber nicht weiter zulegen konnten. Insgesamt scheint die Dynamik der Konjunkturerholung schwächer ausgeprägt zu sein scheint als zu Beginn der Hochkonjunktur 2006 und 2007.
