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August 2017: Weitere Verbesserung des Wirtschaftsklimas in der Eurozone, stabile EU-weite Entwicklung

Der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, stieg im August für die Eurozone neuerlich an. Der Index erreichte mit 111,9 (+0,6 Punkte) das höchste Niveau seit 10 Jahren. Der Indikator für die gesamte EU blieb weitgehend stabil. Er sank um 0,3 Punkte auf einen Wert von 111,9. Das liegt leicht unter dem 10-Jahres-Hoch vom Juli.

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben. 

Entwicklungen in der Eurozone

Der Anstieg des ESI in der Eurozone resultiert aus einer Verbesserung der Vertrauensindikatoren in der Sachgütererzeugung und im Dienstleistungsbereich, die teilweise durch Rückgänge des Indikators im Einzelhandel und im Bauwesen ausgeglichen wurden. Das Verbrauchervertrauen blieb weitgehend unverändert. Der ESI stieg in drei der fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone an, und zwar in Italien (+3,6), Frankreich (+1,7) und Spanien (+1,4), während er in Deutschland (-0,6) und den Niederlanden (-0,9) leicht rückläufig war.

Der Anstieg des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung (+0,6 Punkte) geht auf einen deutlichen Anstieg der Produktionserwartungen und einer leichte Erhöhung der Einschätzung des Fertigwarenlagers zurück. Die Beurteilung der Auftragsbestände war leicht rückläufig. Die Antworten auf die Fragen, die im Indikator nicht einbezogen werden, fielen gemischt aus. Die Beurteilung der rezenten Produktionsentwicklung verbesserte sich, während sich die Einschätzung der Exportaufträge verschlechtert hat.

Der Anstieg des Vertrauensindikators im Dienstleistungsbereich (+0,7 Punkte) ist auf positivere Beurteilungen der Geschäftslage und der Nachfrageerwartungen zurückzuführen, während die Einschätzung der rezenten Nachfrageentwicklungen nahezu unverändert bleibt.

Der Indikator des Verbrauchervertrauens (+0,2 Punkte) blieb stabil. Er spiegelt die optimistischeren Erwartungen der Haushalte hinsichtlich ihrer Möglichkeit zur Ersparnisbildung und der künftigen Entwicklung der Finanzlage wieder, die durch pessimistischere Einschätzungen der künftigen Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der generellen wirtschaftlichen Entwicklung konterkariert werden.

Im Einzelhandel sinkt der Vertrauensindikator deutlich (-2,3 Punkte). Die Ursache ist eine pessimistischere Einschätzung in allen drei Komponenten des Indikators (die Beurteilung der künftigen Geschäftslage, der gegenwärtigen Geschäftslage und der Angemessenheit der Lagerbestände).

Auch der Vertrauensindikator des Bauwesens war deutlich rückläufig (-1,5 Punkte gegenüber Juli), was sich durch niedrigere Beschäftigungserwartung und eine geringere Beurteilung der Auftragsbestände erklärt.

Der Vertrauensindikator der Finanzdienstleister, der nicht für die Ermittlung des ESI herangezogen wird, fällt im August um 8,5 Punkte deutlich höher aus. Dies wird durch eine optimistischere Beurteilung all seiner Komponenten getrieben (der rezenten Nachfrage- und Geschäftslageentwicklung sowie der Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate).

Die Beschäftigungspläne werden in der Sachgütererzeugung nach oben revidiert, während sie im Dienstleistungsbereich und im Bauwesen nach unten korrigiert wurden und im Einzelhandel unverändert blieben. Der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Verkaufspreise legt in der Sachgütererzeugung zu, bleibt unverändert im Dienstleistungsbereich und ist im Einzelhandel leicht und im Bauwesen stark rückläufig. Die Preiserwartungen der Verbraucher bleiben im August praktisch unverändert. 

EU-weite Entwicklungen

Die leichte Abwärtskorrektur des ESI in der Gesamt-EU (-0,3 Punkte) fußt auf einer Verschlechterung des Geschäftsklimas in den Nicht-Euro Ländern. Vor allem im Vereinigten Königreich entwickelte sich der Index rückläufig (-3,6); In Polen blieb der Index weitgehend unverändert (-0,2). Auf sektoraler Ebene verlaufen die Entwicklungen weitgehend parallel zu jenen der Eurozone. Der Hauptunterschied liegt in der Einschätzung der Sachgütererzeugung, die eher stabil verläuft anstatt wie in der Eurozone anzusteigen.

Die Beschäftigungspläne der Sachgütererzeugung, die einen Anstieg verzeichneten, und des Bauwesens, das rückläufig war, verlaufen in Nicht-Euro Ländern ähnlich wie in der Eurozone. Unterschiede gab es im Dienstleistungsbereich, wo ein stabiler Beschäftigungsindikator gemeldet wird, und im Einzelhandel, wo starke Beschäftigungsrückgänge erwartet werden. Die Preiserwartungen ziehen in der Bauwirtschaft wie im Dienstleistungsbereich an.