Europa > Europaweite Konjunkturtest-Indikatoren

Europa

Oktober 2017: Wirtschaftsklima verbessert sich weiter in der Eurozone und EU-weit

Im Oktober steigt der von der Europäischen Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI), der das europäische Wirtschaftsklima anzeigt, weiter und setzt damit seinen seit letzten Herbst beobachtbaren Aufwärtstrend fort. In der Eurozone notiert der ESI bei 114,0 Punkten (+0,9 Punkte) und EU-weit bei 114,2 Punkten (+1,1 Punkte) und verzeichnet somit den höchsten Stand seit Oktober 2000 (Eurozone) bzw. seit Juni 2007 (EU).

Der ESI wird von der Europäischen Kommission aus den Vertrauensindikatoren der Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbraucher erstellt. Diese Vertrauensindikatoren wiederum basieren auf europaweit einheitlich durchgeführten Konjunkturbefragungen. Die österreichischen Daten für die Bereiche Sachgütererzeugung, Bauwesen und Dienstleistungen werden vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben.

Entwicklungen in der Eurozone

Der Anstieg des ESI in der Eurozone resultiert aus einer Verbesserung der Vertrauensindikatoren in der Sachgütererzeugung, im Einzelhandel, in der Bauwirtschaft und zu einem geringeren Ausmaß auch im Dienstleistungsbereich, während der Vertrauensindikator unter den Verbrauchern weitestgehend unverändert bleibt.

In den fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone steigt der ESI an: stark in Deutschland  (+2,1 Punkte) und zu einem geringerem Maß in Italien (+1,0 Punkte), während er in Spanien (+0,3 Punkte) und in den Niederlanden (+0,1 Punkte) nahezu unverändert bleibt und in Frankreich (-1,6 Punkte) merklich sinkt.

Die anhaltend steile Entwicklung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung seit September 2016 (+1,2 Punkte) ist auf verbesserte Einschätzungen der Auftragsbestände und der Fertigwarenlager zurückzuführen, während sich die Beurteilung der Produktionsaussichten im Gegensatz dazu leicht verschlechtert. Die Beurteilung der rezenten Produktionsentwicklung fällt deutlich besser aus, während die Einschätzung der Exportaufträge unverändert bleibt. Die beiden letztgenannten Fragen werden aber in die Berechnung des Vertrauensindikators der Sachgütererzeugung nicht einbezogen.

Der Anstieg des Vertrauensindikators im Dienstleistungsbereich (+0,8 Punkte gegenüber September) ist auf positivere Beurteilungen all seiner Komponenten zurückzuführen (der Nachfrageerwartung, der rezenten Geschäftslageentwicklung und der rezenten Nachfrageentwicklung).

Der Indikator des Verbrauchervertrauens (+0,2 Punkte) verbucht im Oktober zum dritten Monat in Folge einen leichten Anstieg. Diese Entwicklung spiegelt optimistischere Einschätzungen der Haushalte in Bezug auf die generelle wirtschaftliche Entwicklung, sowie, zu einem geringerem Ausmaß, auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit wider, die durch gesunkene Erwartungen zur Möglichkeit der Ersparnisbildung und unveränderten Einschätzungen zur künftigen Entwicklung der Finanzlage teilweise ausgeglichen werden.

Im Einzelhandel steigt der Vertrauensindikator im Oktober merklich (+2,5 Punkte). Ursache ist eine optimistischere Einschätzung all seiner Komponenten (der künftigen und der gegenwärtigen Geschäftslage sowie der Angemessenheit der Lagerbestände).

Der Vertrauensindikator des Bauwesens steigt ebenfalls merklich (+1,9 Punkte gegenüber September). Hier kommen nach oben revidierte Beschäftigungspläne für die kommenden Monate sowie eine positivere Einschätzung der Auftragslage zum Tragen.

Der Vertrauensindikator der Finanzdienstleister, der nicht für die Ermittlung des ESI herangezogen wird, bleibt im Oktober im Gegensatz zu den Wirtschaftsbereichen mit +0,1 Punkten unverändert, getrieben durch eine schlechtere Beurteilung der rezenten Nachfrage- und Geschäftslageentwicklung, die durch starke Nachfrageerwartungen für die kommenden Monate ausgeglichen werden.

Die Beschäftigungspläne werden in allen beobachteten Bereichen nach oben revidiert. Am ausgeprägtesten in der Sachgütererzeugung und in der Bauwirtschaft, etwas verhaltener im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel.

Der Ausblick auf die weitere Entwicklung der Verkaufspreise legt im Dienstleistungsbereich, im Einzelhandel und in der Bauwirtschaft parallel zu höheren Preiserwartungen der Verbraucher zu. Die Verkaufspreiserwartungen in der Sachgütererzeugung werden dagegen stark nach unten korrigiert.

EU-weite Entwicklungen

Das marginal bessere Ergebnis des ESI in der Gesamt-EU (+1,1 Punkte) gründet auf einem ausgeprägten Anstieg des ESI im Vereinigten Königreich (+1,5) und einem unveränderten ESI in Polen (+0,0 Punkte), den beiden größten EU-Volkswirtschaften außerhalb der Eurozone. Auf sektoraler Ebene verlaufen die Entwicklungen im Oktober in der Sachgütererzeugung, im Dienstleistungsbereich und in der Bauwirtschaft mit einem Anstieg parallel zur Eurozone, wohingegen die gleichbleibenden Einschätzungen im Einzelhandel etwas von den Entwicklungen der Eurozone abweichen.

Unter den Verbrauchern, sowie in Bezug auf die Finanzdienstleistungen bleiben die Einschätzungen EU-weit unverändert und somit weitgehend im Einklang mit jenen in der Eurozone.

Die Beschäftigungspläne verlaufen gekennzeichnet durch eine Aufwärtsrevision in allen Bereichen EU-weit parallel zur Eurozone. Einzige Ausnahme bildet EU-weit im Einzelhandel die Korrektur nach unten (statt wie in der Eurozone leicht nach oben).

Die Preiserwartungen decken sich in der Sachgütererzeugung und in der Bauwirtschaft mit jenen der Eurozone. Im Dienstleistungsbereich und im Einzelhandel bleiben die Preiserwartungen EU-weit dagegen unverändert.

 

Ergebnisse der Quartalserhebung (Oktober)

In der Eurozone liegt die hochgeschätzte Kapazitätsauslastung in der Sachgütererzeugung im Oktober bei 83,8% und somit höher als im Juli (+0,6 %-Punkte). Der Anteil der Unternehmen, die ihre gegenwärtigen Produktionskapazitäten als „mehr als ausreichend“ einstufen (gemessen an der Auftragslage und der erwarteten Nachfrage), sinkt um 2,5 %-Punkte. Bezogen auf den Außenhandel steigen die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Exportaufträge deutlich (+1,1 Punkte). Die Einschätzung der Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU verbessert sich im Oktober (+1,0 Punkte gegenüber Juli). Die Einschätzungen zur Entwicklung der Auftragseingänge in den letzten Monaten legen deutlich zu (+2,7 %-Punkte), während sich die Einschätzungen zur gesicherten Produktionsdauer im Vergleich zum Juli marginal erhöhen. Die EU-weiten Entwicklungen decken sich weitgehend mit jenen der Eurozone, mit Ausnahme der Beurteilung der Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU - diese fallen EU-weit eher flach aus - sowie der leicht rückläufigen Entwicklung der Auftragseingänge (-0,4% Punkte).

 

Im Dienstleistungssektor sinkt die Kapazitätsauslastung in der Eurozone mit -0,6 Punkten gegenüber Juli auf 89,6% und EU-weit um -0,5 %-Punkte auf 89,6%.